Interview Sandra Jachmann

Im Gespräch mit Sandra Jachmann

Wer bist du?
Sandra Jachmann, 36 Jahre alt, geboren in Wuppertal, Unternehmerin aus Mettmann. Neben meinem Job, mache ich gerne Wasser- und Wintersport und engagiere mich sozial.

Was machst du?
Seit Januar 2014 habe ich Geschäftsführung der Erich Jachmann Spedition (EJS) in Mettmann und der Werralog Spedition in Barchfeld (Thüringen) übernommen. Als Geschäftsführerin kümmere ich mich insbesondere um den Vertrieb, die Kunden und spezielle Anforderungen dieser. Auch die Fahrzeugbeschaffung in Zusammenarbeit mit meinem Werkstattmeister, das Controlling und die buchhalterischen Abschlüsse sowie Personalentscheidungen gehören zu meinen Geschäftsführeraufgaben.

Durch regelmäßige Fortbildungen versuche ich mein Unternehmen strategisch für die Zukunft auszurichten und bin immer an Neuerungen interessiert.

Wie bist du dazu gekommen?
Nach meinem Abitur im Jahr 2004 habe ich mich für ein duales Studium entschieden. Bei dem Unternehmen eismann habe ich viele praktische Erfahrungen vor allem in den Bereichen Vertrieb, Einkauf und Marketing sammeln können. Das BWL-Studium habe ich an der Berufsakademie in Mannheim mit den Schwerpunkten Internationales Marketing und Finanz- und Rechnungswesen abgeschlossen.

Das letzte Jahr meines 3-jährigen Studiums habe ich in der Praxisphase bei der eismann Schweiz AG in Zürich absolviert. Nach erfolgreichem Abschluss als Diplom-Betriebswirtin wurde ich dort als Leiterin Marketing und Einkauf übernommen. Hier war ich für das gesamte Schweizer Sortiment des Nahrungsmittellieferanten für Privathaushalte verantwortlich. Neben der Warenbeschaffung einschließlich Zollabwicklung, habe ich auch die Marketingkonzepte für die „Eismänner“ erstellt. Durch die Mehrsprachigkeit in der Schweiz, waren insbesondere die Katalogerstellung und die Aufbereitung sonstiger Vertriebsinformationen eine Herausforderung. Die Sortimentsgestaltung und Verhandlungen mit Lieferanten waren anspruchsvoll und spannend und so konnte ich viel für meine jetzige Unternehmerrolle mitnehmen.

Im Jahr 2010 hat es mich dann in den elterlichen Betrieb, den mein Großvater gegründet hat, geschlagen. Anfangs habe ich alle Bereiche des Unternehmens kennengelernt. Neben der Disposition, Abrechnung und Buchhaltung, habe ich mich intensiv ins Controlling eingearbeitet.

Wie sieht dein Alltag aus?
Neben der Personalführung, die täglich, auch durch kurze Mitarbeitergespräche, einen großen Anteil meines Alltags ausmacht, befasse ich mich mit den Zahlen des Unternehmens. Ich führe Kundengespräche, über neue Projekte, bestehende Dienstleistungen und manchmal auch Reklamationsgespräche. Ein täglicher Rundgang, auch durch die Lagerstandorte und strategische Entscheidungen, sowie operative gehören ebenfalls zu meinem Arbeitsalltag. Kurzum, ich treffe Entscheidungen, höre mir die Bedürfnisse der Kunden und Mitarbeiter an und biete Lösungsansätze.

Was macht dich aus in der Position?
Als geschäftsführende Gesellschafterin in einer Männerdomaine, der Logistikbranche, habe ich es erfolgreich geschafft, mich gegen viele Vorurteile und gesellschaftlich aus der Historie entstandene Rollenbilder durchzusetzen. Mein Zusammenspiel aus Empathie für Mitarbeiter und Kunden, Engagement für die Sache, Durchhaltevermögen in herausfordernden Situationen und Leidenschaft für das eigene Unternehmen sind, meiner Meinung nach, der Schlüssel zum Erfolg.

Bist du gern Unternehmer / Warum?
Unternehmer sein ist eine Herzensangelegenheit. Ich bin Unternehmerin aus Leidenschaft. Ich schätze das selbstbestimmte Arbeiten, treffe gerne Entscheidungen und mag die Zusammenarbeit im Team, denn ohne dieses, könnte mein Unternehmen nicht existieren. Schon als kleines Mädchen war ich oft mit meinem Vater zusammen in der Spedition, durfte neue Sattelzugmaschinen mit abholen und habe mein Taschengeld damit aufgebessert, in der Abrechnung zu unterstützen. Die Faszination für den Beruf und die Logistikbranche wurde mir quasi in die Wiege gelegt.

Dein/e größte/r unternehmerischer Erfolg/Niederlage?
Ich kann mit Stolz behaupten, dass der größte unternehmerische Erfolg immer nur eine Teamleistung ist. Mein größter Erfolg ist damit wohl das gesamte Team der Spedition. Dass wir uns aufeinander Verlassen können, jeder loyal gegenüber dem Unternehmen und seinen Kollegen arbeitet, das ist es, was unseren Erfolg ausmacht.

Niederlagen, wenn man einen Kunden bespielsweise an den Mitbewerber verloren hat, bewirken ein Umdenken und sind damit einfach eine neue Herausforderung.

Deine Pläne für die Zukunft?
In naher Zukunft ist eines der größten Projekte, das Unternehmen noch stärker zu digitalisieren. Neben einem neuen Internetauftritt, soll auch durch Telematik der Fuhrpark und die Kommunikation einfacher und transparenter und damit Ressourcenschonender werden. Wir müssen in der Logistik alternative Antriebe alltagstauglich machen. Dafür sind auch Praxistests sehr wichtig, die wir in der Zukunft gerne durchführen.

Was macht einen guten Unternehmer aus (wirtschaftlich und sozial)?
Natürlich muss ein Unternehmen Geld verdienen. Der Begriff des Unternehmertums ist für mich jedoch vielschichtiger. Unternehmertum beinhaltet auch die Verantwortung für Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden sowie der Verpflichtung gegenüber unserer Gesellschaft. Unternehmer zu werden ist eine Herausforderung, aber einer zu bleiben noch viel mehr. Man muss bei Rückschlägen aufstehen können, bei Herausforderungen anpacken können und muss sich bei all dem immer treu bleiben und ständig selbstkritisch hinterfragen.

Würdest du dich nochmal dafür entscheiden?
Jederzeit. Ich mag meinen Job und vor allem die Leute, die ich kennenlernen durfte, das Team mit dem ich zusammenarbeiten kann und die Möglichkeit etwas gestalten zu können.

Wie hat Corona deine persönliche Sicht aufs Unternehmertum verändert?
In diesen schwierigen Zeiten wird einem nochmal mehr bewusst, wie wichtig auch die zwischenmenschliche Kommunikation ist. Es ist wichtig zu digitalisieren und von überall arbeiten zu können, aber es ist eben genauso wichtig, den Kontakt zu Mitarbeitern und Kunden, Lieferanten und Dienstleistern zu halten und zu intensivieren. Nur gemeinsam können wir diese Kriese meistern.

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