Über 60 Wirtschaftsjunior:innen, persönliche Begegnungen mit Landtagsabgeordneten, fünf Fraktionsvorsitzende und ein Parlamentarischer Abend zum Thema Cybersicherheit: Am 13. und 14. Oktober 2026 wurde der nordrhein-westfälische Landtag erneut zum Treffpunkt zwischen junger Wirtschaft und Landespolitik. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Frage, wie politische Entscheidungen entstehen – sondern vor allem, wie sich die Zukunft Nordrhein-Westfalens gemeinsam gestalten lässt.
Politik und Wirtschaft begegnen sich häufig in Debatten über Standortbedingungen, Bürokratie oder Wettbewerbsfähigkeit. Doch wie sieht der Arbeitsalltag auf der jeweils anderen Seite eigentlich aus? Welche Herausforderungen bestimmen politische Entscheidungen? Und welche Erfahrungen aus der unternehmerischen Praxis sollten dabei stärker berücksichtigt werden?
Genau an dieser Schnittstelle setzt der Know-How-Transfer (KHT) der Wirtschaftsjunioren Nordrhein-Westfalen an. Zwei Tage lang tauschten junge Unternehmer und Führungskräfte ihren gewohnten Arbeitsalltag gegen einen Platz an der Seite von Landtagsabgeordneten. Statt politischer Diskussionen aus der Distanz gab es persönliche Gespräche, Einblicke in parlamentarische Abläufe und die Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven unmittelbar miteinander zu verbinden.
Politik erleben statt nur darüber sprechen
Den offiziellen Auftakt bildete am Dienstagmorgen die Begrüßung durch Landtagspräsident André Kuper. Auch WJ-NRW-Landesvorsitzender Philipp Frahmke hieß die Teilnehmenden willkommen und unterstrich die besondere Bedeutung des Formats für die politische Arbeit der Wirtschaftsjunioren.
„Als Wirtschaftsjunioren wollen wir nicht nur Forderungen formulieren, sondern verstehen, wie Politik funktioniert. Der KHT ist dafür seit Jahren eines unserer wichtigsten Formate – weil er Vertrauen schafft, das weit über diese zwei Tage hinausreicht“, so Frahmke.
Anschließend ging es für die Wirtschaftsjunior:innen in ihre persönlichen Tandems mit den Abgeordneten. Dabei konnten sie parlamentarische Termine begleiten, die Arbeit der Fraktionen kennenlernen und mit ihren politischen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern über aktuelle Herausforderungen ins Gespräch kommen.
Gerade dieser unmittelbare Austausch macht den Know-How-Transfer besonders: Während die jungen Unternehmer:innen und Führungskräfte erfahren, wie politische Entscheidungen vorbereitet, diskutiert und getroffen werden, erhalten die Abgeordneten Einblicke in die Lebenswirklichkeit derjenigen, die täglich Verantwortung in Unternehmen tragen.
Es geht um gegenseitiges Verständnis, unterschiedliche Sichtweisen und die Erkenntnis, dass politische und wirtschaftliche Entscheidungen häufig enger miteinander verbunden sind, als es auf den ersten Blick erscheint.
Fünf Fraktionsvorsitzende, vier Themen und viele unterschiedliche Antworten
Wie vielfältig diese Perspektiven sein können, zeigte sich am Nachmittag bei der gemeinsamen Diskussionsrunde mit den Vorsitzenden aller fünf Landtagsfraktionen.
Thorsten Schick (CDU), Jochen Ott (SPD), Wibke Brems (Bündnis 90/Die Grünen), Henning Höne (FDP) und Dr. Martin Vincentz (AfD) stellten sich den Fragen und Themen der jungen Wirtschaft. Unter der Moderation von Eduardo Radigewski, Mitglied des WJ-NRW-Landesvorstands für Politik & Wirtschaft, ging es dabei um weit mehr als klassische Standortpolitik. Mit Blick auf die Landtagswahl 2027 standen zunächst die politische Bilanz und die Perspektiven für Nordrhein-Westfalen im Mittelpunkt.
Doch auch die Verbindung von Gesundheit und Wirtschaft, die Bedeutung einer lebendigen demokratischen Streitkultur und die Frage nach einem besseren Dialog zwischen Politik und junger Wirtschaft sorgten für Gesprächsstoff. Wie wirkt sich die gesundheitliche Situation der Bevölkerung auf Fachkräfteverfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit aus? Wie gelingt es, politische Unterschiede konstruktiv auszutragen? Und wo braucht es mehr Verständnis für die jeweiligen Herausforderungen von Politik und Unternehmen?
Die Diskussion machte deutlich, dass es auf diese Fragen unterschiedliche politische Antworten gibt. Zugleich zeigte sie, warum es wichtig ist, solche Debatten nicht ausschließlich innerhalb der eigenen Perspektive zu führen. Denn wer miteinander diskutiert, muss nicht immer einer Meinung sein. Entscheidend ist, einander zuzuhören, Argumente auszutauschen und den Dialog auch bei unterschiedlichen Positionen aufrechtzuerhalten.
Cybersicherheit: Wenn digitale Risiken zur unternehmerischen Realität werden
Am Abend verlagerte sich der Austausch vom Landtag in den Düsseldorfer Medienhafen. Auf dem Skydeck der Kanzlei Noerr LLP widmete sich der Parlamentarische Abend 2026 einem Thema, das für Unternehmen und Gesellschaft gleichermaßen an Bedeutung gewinnt: der Cybersicherheit.
Unter dem Titel „Digital sicher. Zukunftsfähig. Gemeinsam. – Cybersicherheit und digitale Handlungsfähigkeit für Nordrhein-Westfalen“ rückten die Wirtschaftsjunioren NRW die Frage in den Mittelpunkt, wie sich Unternehmen, Institutionen und der Wirtschaftsstandort insgesamt besser gegen digitale Bedrohungen wappnen können.
Nach der Begrüßung durch den Landesvorsitzenden Philipp Frahmke und Gastgeber Dr. Alexander Hirsch von Noerr LLP eröffnete Thomas Menke, Referatsleiter im Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen, den inhaltlichen Teil des Abends. Sein Impuls unter dem Titel „Von Ransomware und Spionage – Cybersicherheit in einer veränderten Welt“ verdeutlichte, wie vielschichtig digitale Bedrohungen inzwischen geworden sind und welche Herausforderungen daraus für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft entstehen.
Anschließend diskutierten Julia Eisentraut MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Prof. Dr. M. Angela Sasse, Professorin für Human-Centred Security an der Ruhr-Universität Bochum, Markus Hartmann, Leitender Oberstaatsanwalt und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW), sowie Moritz Anders, Partner bei PwC Deutschland, über unterschiedliche Aspekte digitaler Sicherheit. Moderiert wurde die Runde ebenfalls von Eduardo Radigewski.
Dabei wurde schnell deutlich, dass Cybersicherheit längst nicht mehr allein eine Frage der IT-Abteilungen ist. Cyberangriffe können Geschäftsprozesse zum Erliegen bringen, Lieferketten beeinträchtigen und die wirtschaftliche Existenz von Unternehmen gefährden. Doch wie lässt sich nach einem Angriff die Handlungsfähigkeit wiederherstellen? Wie können Organisationen widerstandsfähiger werden? Und warum spielen neben technischen Schutzmaßnahmen gerade Menschen, Führung und funktionierende Prozesse eine entscheidende Rolle?
Die Diskussion zeigte, wie eng die unterschiedlichen Verantwortungsbereiche miteinander verzahnt sind. Wirksame Cybersicherheit braucht nicht nur technologische Lösungen, sondern auch das Zusammenspiel von Politik, Unternehmen, Wissenschaft und Strafverfolgungsbehörden.
„Ob in der Runde mit den Fraktionsvorsitzenden oder am Abend über den Dächern des Düsseldorfer Medienhafens: Mich hat beeindruckt, wie gut sich die unterschiedlichen Perspektiven ergänzt haben. Wenn wir in Nordrhein-Westfalen gemeinsam etwas bewegen und langfristig zukunftsfähig bleiben wollen, müssen wir diesen direkten Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft weiterführen“, resümierte Eduardo Radigewski.
Beim anschließenden Netzwerken bot sich den Gästen die Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen, neue Kontakte zu knüpfen und den Abend mit Blick über den Düsseldorfer Medienhafen ausklingen zu lassen.
Parlamentarischer Alltag, Demokratiegeschichte und ein besonderer Abschluss
Auch am zweiten Projekttag stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Die Wirtschaftsjunior:innen begleiteten ihre Abgeordneten bei weiteren Terminen und nutzten die Gelegenheit, Gespräche fortzusetzen und zusätzliche Einblicke in die parlamentarische Arbeit zu gewinnen.
Beim gemeinsamen Besuch einer Plenarsitzung konnten die Teilnehmenden zudem politische Debatten unmittelbar verfolgen und erleben, wie parlamentarische Entscheidungsprozesse öffentlich ausgetragen werden.
Wer sich darüber hinaus mit der Geschichte der parlamentarischen Demokratie in Nordrhein-Westfalen beschäftigen wollte, hatte bei einer Führung durch das Haus der Parlamentsgeschichte in der Villa Horion Gelegenheit dazu.
Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Fototermin mit Ministerpräsident Hendrik Wüst – und damit ein besonderer Schlusspunkt für zwei Tage voller politischer Begegnungen und neuer Eindrücke.
Dialog, der über den Landtag hinauswirkt
Was bleibt nach zwei Tagen Know-How-Transfer? Im besten Fall weit mehr als ein Blick hinter die Kulissen des Landtags. Es sind die persönlichen Begegnungen, neue Kontakte und ein besseres Verständnis für die Perspektiven der jeweils anderen Seite, die das Format so wertvoll machen.
Gerade in Zeiten großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen braucht es Orte, an denen unterschiedliche Positionen offen diskutiert und gemeinsame Lösungsansätze gesucht werden können. Der Know-How-Transfer und der Parlamentarische Abend schaffen dafür wichtige Gelegenheiten – nicht als einmalige Begegnungen, sondern als Impulse für einen langfristigen Dialog zwischen Politik und junger Wirtschaft.
Die Wirtschaftsjunioren NRW bedanken sich herzlich bei allen teilnehmenden Abgeordneten, den Fraktionsvorsitzenden und Gästen des Parlamentarischen Abends sowie bei der Landtagsverwaltung und der Kanzlei Noerr LLP für die erneute Gastfreundschaft. Ein besonderer Dank gilt außerdem allen engagierten Wirtschaftsjunior:innen, der Landesgeschäftsstelle und dem gesamten Organisationsteam.
Denn eines haben diese beiden Tage erneut unterstrichen: Unterschiedliche Perspektiven müssen kein Hindernis sein. Sie können der Ausgangspunkt für neue Ideen, gegenseitiges Verständnis und eine gemeinsame Gestaltung der Zukunft Nordrhein-Westfalens sein.
Fotos: Wirtschaftsjunioren NRW / Morawetz Film und Fotografie




















